Infotag der Arnsteiner Grünen zur B26n

Schnell war der Sonntagnachmittag am 27.09.2020 vorbei, der über die geplante B26n informieren sollte.
Und die berechtigte Frage bleibt, ob sich durch diesen Tag etwas verändert hat?

Für mich eine ganze Menge.
Angefangen mit den Gesprächen zur Organisation und Festlegung der Messpunkte mit Landwirten und betroffenen Personen aus dem näheren und weiteren Umfeld der geplanten Trasse. In diesen Gesprächen, die oft auch eher ein Zuhören waren, war ich überrascht, wie viele Menschen im Werntal und Umgebung eine kritische Haltung zum Straßenneubau B26n haben.

Dabei blieben mir viele nachdenkliche Momente in Erinnerung:
• Gedanken, wie wir uns in Zukunft ernähren, wenn wir unsere fruchtbaren Böden der Flächenversiegelung preis geben.
• Gedanken, wie abhängig wir von großen Handelsströmen sind, deren Fluss auch abrupt abreißen kann, wie wir in der Corona-Krise gemerkt haben.
• Es sind Sorgen, wie wir den nachfolgenden Generationen das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen vermitteln wollen.
Wird es noch möglich sein eine Wertschätzung für Boden zu vermitteln, wenn es für uns eigentlich immer Vorrang hat, darauf oder darin Infrastruktur zu verlegen, statt Nahrung zu produzieren?
• Es ist auch die Sorge um wertvolles Trinkwasser, dass jetzt schon merklich knapp wird.
• Es ist das Nachdenken der Älteren, ob unsere Kinder und Enkel mit den Folgen unserer Unersättlichkeit noch umgehen können. Noch schöpfen wir aus dem Vollen und leisten uns viele Annehmlichkeiten. Verbrauchen oft mehr als wir eigentlich wirklich benötigen und vor allem mehr als nachhaltig verfügbar ist. Wird es dadurch in Zukunft auch in unserer Region ernsthafte Mangelsituationen geben?

Es waren Worte von Menschen, die fühlen, wie kostbar die sie umgebende Natur ist, und dass wir viel zu verlieren haben. Das hat mich sehr berührt.

Am Sonntag selbst – an den drei Infoständen - waren auch diese Gespräche weit mehr als ein Austausch der weithin bekannten Argumente für oder gegen die B26n.

Vielmehr kamen erfreulich viele Interessierte mit konkreten Fragen, mit ihren persönlichen und gesellschaftlichen Bedenken, mit ihrem eigenen „Für und Wider“ zum Thema Verkehr und Straßenbau. Sie zeigten sich sehr betroffen, beim Anblick der Dimension der
geplanten Brückenbauwerke und andererseits der tiefen Erdeinschnitte mitten durch die vertraute Flur. Es war plötzlich vorstellbar, wie sich die Landschaft und das Leben durch dieses Bauprojekt B26n verändern wird.

Im Vorfeld der Infoveranstaltung waren wir zum Fotografieren häufiger als sonst vor Ort. Konnten diese Landschaft erleben.
Da war die Stille in der ganz frühen Morgenstunde, die eine unglaubliche Ruhe strahlt. Es waren unter Tag die Begegnungen mit Walker/innen, häufig Radfahrer/innen, Menschen die spazieren gingen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Hunden und die Bauern auf den Traktoren. Und es war in den späten Nachmittagsstunden Gesumme, Gezirpe und Zwitschern zu hören.

Aufgefallen sind uns die Rotmilane, die ihre Kreise übers Tal zogen.
Würde es uns helfen, die Perspektive dieser Vögel einzunehmen, um gute, nachhaltige Entscheidungen zu treffen?
Wie wäre es, wenn wir mit zeitlichen und räumlichen Abstand von unseren momentanen persönlichen Bedürfnissen mehr Blick auf das große Ganze richten könnten?

Würden wir dann erkennen, dass wir wirklich auf eine ernste Gefahr zu laufen?

Wären wir in der Lage unser „Weiter so“ zu überdenken? Und vor allem, anders zu handeln?
Beträchtlich werden die Eingriffe des Straßenbaus schon in der ersten Bauphase bis Müdesheim sein.
Der zweite Bauabschnitt von Müdesheim bis Karlstadt mit gewaltigen Brückenbauwerken und ortsnaher Trassenführung bei Heßlar und Schönarts wird noch gravierender sein. Wir werden diese Landschaft nicht mehr wiedererkennen.

Wenn diese Informationsveranstaltung dazu beitragen konnte, dass die Besucher nun ahnen können, was uns mit noch mehr Straßen blüht, dann war es den Aufwand wert.
Ich selbst war erstaunt, wie sich für mich in den letzten Wochen das Empfinden verändert hat. Es ist ein großer Unterschied, ob ich am Schreibtisch über Pläne, Zahlen und Verkehrsprognosen lese und darüber Meinungen austausche oder ob ich vor Ort die Natur erlebe. Es tut gut nach einem voll gepackten Arbeitstag, zur Zeit oft mit Maske, dort aufzutanken. Diese naheliegenden Ruhepunkte habe ich neu schätzen gelernt und dabei immer wieder andere „Alltagsaussteiger“ getroffen.

Der grüne Ortsverband Arnstein hat mit Unterstützung der Bürgerinitiative „Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg (B26n) e.V.“ einige Aspekte dargestellt, von dem was uns erwartet, wenn die B26n gebaut würde.

Ob es uns gelungen ist manchen Blick zu vertiefen und Gedanken anzuregen?
Vielleicht konnten wir Mut machen für eine unbequeme Meinung einzustehen oder aufzustehen. Dann hätte sich wirklich etwas verändert. Dann sind nicht nur die rosaroten Höhenluftballons und Brückenskizzen, sondern dann werden Haltungen von Menschen sichtbar. Wir haben einen Schritt gemacht, nun kann jeder Einzelnen selbst entscheiden, wie er zu diesem Projekt steht und ob er damit einverstanden ist. Noch ist es möglich im Rahmen des Planfeststellungsverfahren eigene Einwendungen zu formulieren.

Ich danke allen für ihr Interesse und die meist sehr offenen Gespräche und wünsche uns, dass wir unsere ländliche Region mit wertschätzenden Augen neu sehen lernen.
Helga Gößmann

Und hier noch einige Eindrücke vom Infotag

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